Meine Ferne….

Ich seh so gerne
In die Ferne
Mit meinem Doppelglas.


Ich seh so gerne
In die Ferne
Das macht mir so’n Spaß.


Die Ferne ist ein schöner Ort
Doch wenn ich da bin, ist sie fort.


Die Ferne ist, wo ich nicht bin
Ich geh und geh und komm nicht hin.

Ich geh so gerne
In die Ferne
Mit meinem Doppelschuh.


Ich geh so gerne
In die Ferne
Sie lockt mich immerzu.


Die Ferne ist ein schöner Ort
Doch wenn ich da bin, ist sie fort.


Die Ferne ist, wo ich nicht bin
Ich geh und geh und komm nicht hin

Man muss weggehen können

Alcossebere, Spanien  –  Dezember 27, 2019

Ziehende Landschaft

Man muss weggehen können
und doch sein wie ein Baum:
als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.
Man muss den Atem anhalten,
bis der Wind nachlässt
und die fremde Luft um uns zu kreisen beginnt,
bis das Spiel von Licht und Schatten,
von Grün und Blau,
die alten Muster zeigt
und wir zuhause sind,
wo wir zuhause sind,
wo es auch sei,
und niedersitzen können und uns anlehnen,
als sei es ein Grab
unserer Mutter.

Hilde Domin/Gesammelte Gedichte/Frankfurt am Main 1987. ZHB-Signatur: B.e 2122

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